Die Geschichte der Glocken der Johanneskirche reicht weit in die Vergangenheit zurück, doch bleiben ihre Ursprünge weitestgehend im Dunkeln.
Eine erste Erwähnung der Glocken findet sich aus der Zeit des Dreißigjähren Krieges. Dort wird berichtet, dass die Glocken von Soldaten nach Basel verkauft wurden.
Im Jahr 1761 erhielt der Kirchturm eine neue Glocke, doch lag auf dieser Glocke kein Segen. Nach nicht einmal 20 Jahren im Dienst zerbarst sie im Jahr 1780.
So wurde in den folgenden Jahren eine neue Glocke angeschafft.
Im Jahr 1830 erfolgte die Anschaffung einer zweiten Glocke. Sie stammte von der Firma Schnegg in Basel war auf den Ton A gestimmt. An ihrem oberen Rand waren 24 Szenen aus dem Leidensweg Jesu zu sehen. Es fand sich dort unter anderem eine Abbildung von Jesus vor Pilatus, eine Abbildung der Geiselung Jesu, eine Abbildung, wie Pilatus Jesus den Juden zeigte, eine Abbildung der Kreuzabnahme Jesu, sowie eine Abbildung der Gablegung und Auferstehung Jesu. Unter diesen Bildern aus dem Leben Jesu war eine Blumengirlande abgebildet. In der Mitte der Glocke war in einem runden Bild Jesus mit einem Evangelisten im Hintergrund zu sehen. Die Glocke trug die Aufschrift: "Von Herrn Pfarrer Martini, Kessler Vogt, Sturm Gemeinderechner. Gegossen von Schnegg in Basel 1830.
Im Jahr 1850 erfolgte die Anschaffung einer dritten Glocke. Sie stammte von der Firma Benjamin Muckenberger aus Blasiwald und war auf den Ton B gestimmt. Am oberen Rand der Glocke war ein Ornament-Band zu sehen und am unteren Rand der Glocke befand sich eine schmale Abbildung von Jesus am Kreuz.
Während des ersten Weltkrieges musste die Maulburger Gemeinde zwei ihrer drei Glocken abgeben. Pfarrer Ehrly hielt dazu im Jahr 1917 eine Rede, die in einer schwer leserlichen Handschrift im Archiv der Gemeinde erhalten ist. Die Rede stand unter dem Titel "Glockenabschied". In dieser Rede heißt es unter anderem: "... das Vaterland braucht die beiden Glocken äußerst zu Recht. Auch bald werden sie doch nur Friedensarbeit getan haben. Sie werden auf dem Felde des Kampfes und der Ehre umgeformt als Waffen dienen." Er beendete seine Feststellung, dass die zwie Glocken am nächsten Tag abgehängt werden sollten. "Die eine hat seit 1830 und die andere seit 1850 treu gedient."
Pfarrer Ehrly war kein Kriegsfanatiker, der die Glocken freiwillig für das Vaterland opferte, doch gibt seine Rede die Stimmung der damaligen Zeit wieder.
Im Vorfeld der Abhängung der beiden Glocken gab es eine Auseinandersetzung mit dem Bezirksamt Schopfheim, in der es um die Frage ging, ob die Kirchengemeinde überhaupt eine Glocke behalten durfte. Hier sprach der damalige Dekan des Kirchenbezirks Schopfheim, Pfarrer Specht aus Zell im Wiesental, ein Machtwort und sorgte dafür, dass Dr. Pfaff, der Vorsitzende des Kommunalverbandes, eine Bescheinigung erteilte, nach der eine Glocke von der Beschlagnahme, Enteignung und Ablieferung befreit wurde.
Ein zweiter Streitpunkt betraf die Frage, wem die abgehängten Glocken letztlich gehörten. So hatte die evang. Kirche bis zum Ende des I. Weltkrieges den Status einer Staatskirche. Für den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Maulburg, Herrn Tscheulin, der auch Mitglied im Kirchengemeinderat war, bedeutete dies, dass die Entschädigung für die Glocken, die vom Kriegsministerium kommen sollte, in die Kasse der politischen Gemeinde fließen sollte. Schließlich hätte die politische Gemeinde die Glocken ursprünglich finanziert. Pfarrer Ehrly dagegen argumentierte, dass die Kirchengemeinde die Entschädigung erhalten sollte, schließlich müsste sie die Glocken irgendwann ersetzen. Es wurde damals ein Gutachter aus Heidelberg eingesetzt, der bestätigte, dass die bürgerliche Gemeinde die Glocken finanziert hat, doch jetzt nur noch ein Mitbenutzungsrecht besaß. Der Streit wurde schließlich ohne eine endgültige Regelung beigelegt.
Am Ende des Krieges stellte Bürgermeister Tscheulin die Frage an das Bezirksamt, ob es nicht möglich wäre, die Glocken wieder zurückzuerhalten. Als Antwort kam ein Schreiben, in dem es hieß: "Es ist völlig ausgeschlossen, dass noch irgendwelche Glocken zurückgekauft werden können. Alle abgelieferte Bronze ist bereits verarbeitet."
Der Kirchengemeinderat nahm daraufhin Kontakt mit der Fima Schneider und Söhne auf. Die Firma machte den Vorschlag, an der Schulter der Glocke einen anderen Hammer anzubringen, so dass, je nachdem, an welcher Stelle der Hammer an der Glocke anschlägt, verschiedene Töne erzeugt werden konnten. Der Kirchengemeinderat folgte diesen Vorschlag jedoch nicht und beschloss die Anschaffung zweier neuen Bronzeglocken.
Es wurde eine Sammlung für die Wiederbeschaffung der Glocken unternommen. Den Grundstock bildete die Entschädigung vom Kriegsministerium. Die Sammlung fand vor allem bei den Auslandsmaulburgern" in Amerika einen großen Anklang.
Für den Guss der Glocken wurden die Firma der Brüder Bachert in Karlsruhe beauftragt. Am 4. Mai 1921 wurde eine F- und eine C-Glocke gegossen. Die F-Glocke erhielt die Aufschrift: "Ueber der Heimat liegt Not und Leid. Herr, lass mich künden bessere Zeit." Die C-Glocke erhielt die Aufschrift: "Niemand hat größere Liebe, als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde."
Als die neuen Kirchenglocken im Jahr 1921 im Kirchturm aufgehängt wurden, schlossen die bürgerliche Gemeinde und die Kirchengemeinde einen Vertrag mit folgendem Inhalt:
- Die bürgerliche Gemeinde spendet 10.000 Mark als Beitrag zur Anschaffung der Glocken.
- Die bürgerliche Gemeinde verzichtet auf ein Miteigentumsrecht an den Kirchenglocken.
- Die Kirchengemeinde verpflichtet sich, für jedes Begräbnis zu läuten.
- Die bürgerliche Gemeinde räumt für sich das Recht ein, ohne Genehmigung des Kirchengemeinderats die Glocken läuten zu lassen.
- Die bürgerliche Gemeinde erhält das Recht, eine Turmuhr aufzustellen und bezahlt den Kirchendiener jährlich mit 171 Mark und 43 Pfennig, der dafür die Uhr täglich aufzuziehen hatte.
- Die bürgerliche Gemeinde erhält das Recht, bei Festlichkeiten den Kirchturm mit Fahnen in den Farben des Landes und des Reiches zu beflaggen.
- Diese Vereinbarung ist unkündbar.
Dieser Vertrag ersetzte einen alten Vertrag zwischen der bürgerlichen Gemeinde und der Kirchengemeinde aus dem Jahr 1863. In dem neuen Vertrag wurden bestehende Unklarheiten beseitigt, Probleme neu geregelt und Bewährtes bestätigt (wie z.B. die Bezahlung des Kirchendieners für das Aufziehen der Turmuhr).
Trotzdem führte dieser Vertrag zu manchen Konflikten in der Zeit der Hitlerdiktatur. So wurde von der bürgerlichen Gemeinde Ende der Dreißiger Jahre die Bezahlung des Kirchendieners für das Aufziehen der Kirchturmuhr eingestellt. Auch die Möglichkeit der bürgerlichen Gemeinde, Flaggen am Kirchturm zu hissen, wurde in dieser Zeit zum Streitpunkt.
Im März 1940 teilte der Evang. Oberkirchenrat allen Kirchengemeinden mit, dass Generalfeldmarschall Göring eine "Anordnung ... über die Erfassung von Nichteisenmetall" erlassen hatte. Alle Kirchengemeinden hatten ihre Glocken aus Bronze zu erfassen und unverzüglich der deutschen Rüstungsreserve dienstbar zu machen. Am 2. Februar 1942 erhielt das Pfarramt die Ankündigung, dass die Glocken in den nächsten Tagen abgeholt würden. Diese Abholung geschah in aller Stille.
In den Akten der Gemeinde gibt es keinen Hinweis, welche der drei Glocken damals abgeholt wurden. Doch muss die im Jahr 1921 von der Firma Bachert gegossene C-Glocke im Turm verblieben sein.
Nach dem Ende des Krieges wurden viele Glocken aus ganz Europa auf dem Gelände des Hafens in Hamburg gefunden. Darunter waren viele Glocken aus Bronze, die Göring weniger wegen der Verwertung ihres Metalls eingezogen hatte, sondern vielmehr um einen Schlag gegen die Kirchen zu unternehmen. Die Verwaltung der Häfen lag damals in den Händen der Britischen Armee.
Im Mai 1946 teilte der Evang. Oberkirchenrat mit, dass die Möglichkeit bestünde, dass manche Glocken noch existierten. Vier Wochen später konnte der Oberkirchenrat der Maulburger Kirchengemeinde mitteilen, dass eine Glocke aus Maulburg gefunden wurde. Es handelte sich dabei jedoch nicht um die 1921 von der Firma Bachert gegossene F-Glocke, sondern um die Schnegg-Glocke aus dem Jahr 1830, die im I. Weltkrieg abgehängt worden war. Im August 1948 wurde die Glocke wieder im Kirchturm in Maulburg aufgehängt.
Wieder begann die Kirchengemeinde mit einer Sammlung für die Anschaffung einer neuen Glocke. Im September 1948 wurde von der Kirchengemeinde mit der Firma Bachert ein Vertrag für die Anschaffung einer neuen Glocke geschlossen. Doch waren die Zeiten hart und das Geld floss nur spärlich. Erst am 20. Oktober 1952 konnte der Guss stattfinden. Statt einer Glocke in F wurde eine Glocke mit dem Ton G gegossen. Obwohl die Glocke nur ein Ton höher war, benötigte sie wesentlich weniger Bronze. Sie erhielt die Aufschrift: "Herr, erbarme dich" und wurde im November 1952 im Turm aufgehängt. Doch war der Ton der Glocke auf die anderen beiden Glocken falsch abgestimmt. Es vergingen drei weitere Jahre, bis eine andere Firma die A-Glocke von innen neu schliff, so dass die drei Glocken gemeinsam geläutet werden konnten.
Im Jahr 1963 kam es zu einem Konfikt zwischen dem damaligen Pfarrer Fiand und der bürgerlichen Gemeinde. So war es durch den Vertrag von 1921 geregelt, dass auch bei katholischen Beerdigungen die Glocken geläutet wurden. Doch weigerte sich Pfarrer Fiand bei einer Beerdigung eines neuapostolischen Mitbürgers, die Glocken läuten zu lassen. Erst durch das Eingreifen des Dekans konnte der Konflikt gelöst werden. Die bürgerliche Gemeinde kündigte daraufhin den Vertrag von 1921. Die bürgerliche Gemeinde verzichtete auf ihr Recht, die Kirchenglocken zu läuten und den Kirchturm zu beflaggen. Auch verzichtete sie auf ihr Recht, eine Turmuhr aufzustellen. Sie ersetzte die vorhandene Turmuhr durch eine neue Uhr, die in den Besitz und die Verantwortung der Kirchengemeinde überging. Damit waren alle Punkte aus den Verträgen von 1863 und 1921 aufgehoben und es fand eine endgültige Trennung zwischen der bürgerlichen Gemeinde und der Kirchengemeinde in Maulburg statt.
Überblick über die Glocken in Maulburg:
Große Glocke aus dem Jahr 1952 (Glockengießerei Bachert, Ton g´)
Mittlere Glocke aus dem Jahr 1830 (Glockengießei Schnegg in Basel, Ton a´)
Kleine Glocke aus dem Jahr 1921 (Glockengießerei Bachert, Ton c´´)
Bild von mittleren Glocke von der Gießerei Schnegg aus dem Jahr 1830





Bild von der großen Glocke der Gießerei Bachert aus dem Jahr 1952


Bild von der kleinen Glocke von der Gießerei Bachert aus dem Jahr 1921

Ein Blick auf alle drei Glocken, wobei die dritte Glocke
oberhalb der beiden anderen Glockenaufgehängt ist

Bild vom Aufgang im Turm

Glockendaten (alle Angaben erfolgten durch eine externe Quelle) a' = 440Hz
Große Glocke: Gießerei Bachert; Kochendorf Karlsruhe; Gussjahr 1952
Nominal g' -2
Unteroktave g° -1
Prime g' -9
Terz b' -1
Quint d'' +6
Oktave g'' -2
Dezime h'' -3
Duodezime d''' -4
Doppeloktave g''' +2
Mittlere Glocke: Gießerei Johann Jakob Schnegg; Basel; Gussjahr 1830
Nominal a' ±0
Unteroktave g° ±0
Prime a' +1
Terz c'' -3
Quint e'' +9
Oktave a'' ±0
Dezime cis''' -12
Duodezime e''' ±0
Doppeloktave a''' +9
Kleine Glocke: Gießerei Bachert, Karlsruhe; Gussjahr 1921
Nominal c'' -3
Unteroktave c' -5
Prime c'' -11
Terz es'' -1
Quint g'' +4
Oktave c''' -3
Dezime e''' +13
Duodezime g''' -4
Doppeloktave c'''' +3
Quellen: Die Glocken der Evang. Kirche in Maulburg von Peter Widess, in: Mulburger G´schichte 2001 und 2002
