Gibt es Gott?

Ich glaube "Ja". Es gibt ihn.
 
Woher wissen Sie das?
 
Ich weiß es nicht. Ich kann es auch gar nicht wissen. Schließlich ist Gott größer als unser Wissen. Ja, er ist größer als alles, was wir mit unserem Verstand begeifen oder uns vorstellen können.
 
Wie kommen Sie dann dazu, zu glauben, dass es Gott gibt?
 
Am Anfang meines Glaubens stand für mich das Staunen. Das Staunen darüber, dass es überhaupt so etwas wie unsere Welt gibt. Ja, dass das Universum nicht einfach nur leer ist, sondern angefüllt ist mit unendlich vielen Galaxien, Sternen und Planeten. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, kann ich nur staunen. Dieses Staunen steht für mich am Anfang meines Glaubens. Dabei kann ich am Morgen aber auch über jeden  Sonnenstrahl staunen, der mich wachkitzelt, oder über jede Blume, die mir am Wegesrand begegnet.
 
Wie bringen Sie ihren Glauben an Gott mit einem physikalischen Weltbild zusammen, in dem von Gott nicht die Rede ist?
 
Die Physik sagt, dass unser Universum vor rund 14 Milliarden Jahren aus dem Nichts entstanden ist. Doch kann bis heute kein Physiker erklären, warum es zu diesem Geschehen kam. Was war davor? Und was kommt, wenn unser Universum einmal sein Ende gefunden hat? Gibt es noch andere Universen neben dem unseren? Oder sind wir das einzige Universum?
 
 
Manche Physiker sprechen davon, dass die Entstehung unseres Universums ein Zufall sei. Aber beweisen können sie dies nicht. Es ist also mehr ein Glaube, als ein Wissen. Ich glaube das nicht und viele Physiker tun dies auch nicht. Warum sollte aus dem Nichts heraus ein ganzes Universum entstehen? Nein. Ich glaube vielmehr, dass hinter unserer Welt eine höhere Macht steht, von der alles herkommt, und zu der am Ende auch alles wieder hingeht. Beweisen kann ich dies aber nicht, ich kann nur staunen - und ich kann vertrauen.
                    
Woher kommt dieses Vertrauen?
    
Etwas von Gott und seiner Kraft spüre ich manchmal, wenn ich bete. Da ist etwas da, das nicht ich bin. Mir begegnet Gott manchmal aber auch in anderen Menschen. In ihrem Blicken, in denen ein Leuchten liegt, in ihren Worten, die meine Seele berühren, oder auch in den Worten der Bibel.
 
Wie stellen Sie sich Gott vor?
 
Das ist eine schwierige Frage. Als Kind stellte ich mir Gott so vor, wie sich vermutlich viele Kinder Gott vorstellen: als einen alten Mann, mit langem, weißen Bart, der auf einer Wolke sitzt. Dieses Bild drückt aus, dass Gott weise ist, ebenso, dass es ihn schon lange vor mir gegeben hat. Aber in diesem Bild zeigt sich auch ein gewisser Abstand zu uns Menschen. Wir Menschen sind hier auf der Erde, während Gott weit von uns entfernt auf einer Wolke thront.
 Aber dieses Bild von Gott zerbrach in mir, als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Instinktiv erkannte ich damals, dass Gott so nicht sein konnte.

Was kam dann?
 
Erst einmal kam eine Zeit, in der ich mir Gott gar nicht mehr vorstellen konnte. Es war eine Zeit, in der ich mehr Fragen als Antworten hatte. Aber dann wuchsen in mir neue Bilder von Gott.
 Dass etwas von Gott in mir wohnt, zum Beispiel. Oder dass Gott eher so etwas ist, wie Licht, oder Energie. In der Bibel wird Gott zum Teil auch so beschrieben: als Quelle und als Licht … als Geist, der in uns wohnt, ebenso wie als Liebe.
 Meine Bilder von Gott schwanken dabei heute mehr, als sie es früher getan haben. Sie sind nicht mehr so fest wie in der Zeit, als ich noch ein Kind war. Aber ich trage auch jetzt Bilder von Gott in mir, auch wenn ich weiß, dass keines dieser Bilder Gott ganz beschreiben kann. Das Erstaunliche dabei ist aber, dass in vielen dieser Bilder Gott nicht mehr weit von mir entfernt ist, z.B. auf irgendeiner Wolke, sondern mir nah ist.
 
Welche Rolle spielt Jesus für ihr Bild von Gott?
 
Eine ganz Entscheidende. Jesus glaubte an einen Gott, der voller Güte und Barmherzigkeit war. Ein Gott, zu dem man „Vater" sagen kann, so wie wir es bis heute im „Vater unser" tun. Gleichzeitig spürten die Menschen damals, dass etwas von Gott auch in Jesus spürbar war. Gott ist also nicht weit entfernt, sondern mitten unter den Menschen. Und nicht zuletzt: die Geschichte vom Tod Jesu zeigt für mich, auch wenn das jetzt vielleicht etwas vereinfacht klingt, dass Gott jemand ist, der Leiden und Tod auf sich nimmt. Gott sieht dem Leid nicht wie ein unbeteiligte Beobachter zu, noch ist er der Urheber des Bösen. Dies ist für meinen Glauben ein wesentlicher Punkt: wenn es mir schlecht geht, ist Gott für mich jemand, der mir hilft, gegen dieses Leid und gegen das Böse anzukämpfen, ohne selbst zu einem Teil des Bösen zu werden.
 
Hat der Glaube auch eine dunkle Seite?
 
Menschen, die Hass und Gewalt predigen und leben, glauben nicht an Gott, sondern an den Tod. Sie bringen den Menschen kein Heil und Glück, sondern verbreiten nur Angst und Schrecken. Ihr Glaube ist an einer Stelle falsch abgebogen und hat sich in einer dunklen Spirale des Todes verfangen. Von daher ja: Der Glaube kann sich auch verrirren. 

Was ist für Sie das Wichtigste in Ihrem Glauben?
 
Das Vertrauen. Mein Glaube hilft mir, zu vertrauen. Er hilft mir, zu lieben. Und zu vergeben. Wichtig ist dabei das Reden mit Gott. Ich mache das meist leise, in Gedanken.
 Wer ich bin, erfahre ich im Gegenüber zu einem Du. Im Gegenüber zu Gott, dem großen „Du", bekommt mein Leben Kraft. Auf welche Weise jemand mit Gott spricht, ist dabei egal. Klagen, Ängste, Zweifel haben im Gebet genauso Platz, wie Dank oder Lob. Wichtig ist, mit Gott im Gespräch zu bleiben, weil wir in ihm der Liebe begegnen, die uns Leben schenkt.