Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Gott segne Reden und Hören. Amen.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden
Ihr habt vor zwei Wochen einen Gottesdienst gestaltet, der mich sehr beeindruckt hat. Es ging darin um den Tod. Um das, was den Tod ausmacht ... und um das, was uns angesichts des Todes leben lässt.
Um das, was uns leben lässt und Leben schenkt, geht es auch heute bei eurer Konfirmation. Denn nicht den dunklen Mächten, nicht dem Tod, dem Hass oder der Gewalt soll euer Leben gehören, sondern ihr sollt euch an eurem Leben freuen können, es soll sich entfalten können und ihr sollt einen Sinn in eurem Leben finden, der euch trägt.
Worte des Lebens habe ich dazu im Psalm 36 gefunden. Dort heißt es:
„Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens
und in deinem Licht sehen wir das Licht."
„Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens
und in deinem Licht sehen wir das Licht."
(Psalm 36, 10)
Licht und Leben - beides gehört zusammen. Fast so wie Dunkelheit und Tod. Doch was ist das Leben überhaupt? Und was sollen wir mit unserem Leben anfangen?
Diese Fragen sind genauso wichtig wie die Fragen nach dem Tod. Und so wie die Fragen nach dem Tod werden auch sie euch vermutlich euer Leben lang begleiten.
Denn auch wenn ich nicht weiß, was das Leben letztlich ausmacht, so weiß ich doch eines ganz sicher: das Fragen gehört dazu. Solange wir fragen, leben wir. Wenn wir dagegen aufhören zu fragen, sind wir - innerlich - schon tot.
Dabei gibt es auf der Welt mehr Fragen, als Antworten.
So wissen wir nicht, wieso wir hier auf der Erde sind. Wir wissen nicht, was nach dem Tod passiert. Wir wissen nicht, was Liebe ist - oder wieso wir überhaupt lieben. Wir wissen nicht, wieso wir manchmal nicht lieben, obwohl wir es wollen. Wir wissen nicht, wie frei unser Wille wirklich ist. Wir wissen nicht, was ein Tier denkt. Wir wissen nicht, ob ein Tier glücklicher ist als wir. Wir wissen nicht, warum wir dieses unglaubliche Bewusstsein haben und ob es gut für uns ist. Wir wissen nicht, wieso es für manche von uns ganz einfach ist glauben. Wir wissen nicht, wieso andere sich so schwer tun damit. Wir wissen nicht, wieso jede Sekunde Kinder verhungern müssen und wieso wir trotzdem Essen wegwerfen und so tun können, als ginge uns das nichts an. Wir wissen nicht, warum wir als einzige Lebewesen lachen. ... Wir wissen nicht, ob unser Leben ... sinnlos ist und nur eine lächerliche absurde Zufallserscheinung oder ob es einen Sinn für alles gibt. Wir wissen nicht, wenn wir glücklich sind, sondern immer erst hinterher. Wir wissen nicht, wie aus dem Nichts alles entstehen konnte. Wir wissen nicht, warum wir jemanden schön finden, den andere nicht schön finden. Wir wissen nicht, ob wir allein im Weltall sind. Wir wissen nicht, wieso immer irgendwo Krieg geführt wird. Wir wissen nicht, wieso wir träumen, und meistens auch nicht mehr, was. Wir wissen nicht, ob es da draußen eine große Liebe für uns gibt. Wir wissen nicht, ob es da draußen tausend große Lieben für uns gibt. Wir wissen nicht, wann wir sterben, und wir wissen auch nicht, warum. Wir wissen nicht, ob wir einsam sterben werden oder glücklich.
(Nach: Benedict Wells, Becks letzter Sommer, dtv-Taschenbuch, S. 423,424)
Es gibt Fragen über Fragen. Viele dieser Fragen würde ich gern für euch beantworten, so wie das Erwachsene gern tun. Aber das würde nichts nützen. Denn ihr braucht eure Antworten für euer Leben
Es gibt Fragen über Fragen. Viele dieser Fragen würde ich gern für euch beantworten, so wie das Erwachsene gern tun. Aber das würde nichts nützen. Denn ihr braucht eure Antworten für euer Leben
Dabei werden euch viele diese Fragen nicht so schnell loslassen. Schließlich ist unser Leben ein ganzer Kosmos von Nichtwissen. Alles was wir wissen, ist, dass am Ende der Tod steht - und selbst das wissen wir nicht genau.
Auch euer Glaube wird euch diese Fragen nicht alle beantworten. Auch wenn manche Menschen glauben, dass der Glaube genau das tut. Dass er alles erklärt und alles weiß. Aber das ist Unfug. Das ist eine kindliche Vorstellung vom Glauben. Der Glauben weiß nichts. Sonst wäre glauben ja einfach.
Nein, der Glaube weiß nichts, aber er vertraut.
Er wagt es, in diesem vielen Nichtwissen, das uns umgibt, seine Karte darauf zu setzen, dass da etwas ist, das alles in Gang gesetzt hat. Dass da etwas ist, ja, dass da jemand ist, der hinter dem Leben steht - und der sich am Leben freut. So zumindest stelle ich mir Gott vor. Als eine Kraft, eine Macht, eine Quelle, aus der alles Leben kommt und die uns in unserem Leben begleitet, und uns hilft, aus unserm Leben etwas Gutes zu machen.
Aber wissen tue ich das nicht. Ich glaube es nur.
So kann ich euch heute bei eurer Konfirmation keine letzten Antworten auf die Fragen geben, die es in eurem Leben gibt und noch geben wird. Aber ich kann euch eine Haltung mitgeben. Und manchmal kommt es im Leben ja auch mehr auf die Haltung an.
Die Haltung, die euch gerne mitgeben würde, ist diese:
Lebt aufrecht und gerade. Traut euch zu Fragen, traut euch auch die Welt und euren Glauben zu hinterfragen. Weil dieses Fragen zum Leben dazugehören. Und weil ein Leben ohne Fragen ein langweiliges Leben wäre.
Habt aber auch Demut. Macht euch nicht selbst zum Mittelpunkt eurer Welt. Denn wenn ihr nur um euch selbst kreist, werdet ihr euer Leben auf Dauer verlieren. Es gibt so vieles, das größer ist als wir. Und das ist nicht nur der LKW, der uns laut hupend auf der Straße entgegen kommt, wenn wir - ohne nach links und rechts zu sehen - einfach loslaufen. Nein, es gibt so vieles - neben, unter, und über uns - das es zu entdecken gibt und das unser Leben reich macht, dass es schade wäre, an all dem einfach vorbei zu gehen. Auch Gott gehört für mich zu diesen Dingen dazu, die unser Leben reich machen, genauso wie die Musik, die Kunst oder die Liebe.
Habt aber auch Demut. Macht euch nicht selbst zum Mittelpunkt eurer Welt. Denn wenn ihr nur um euch selbst kreist, werdet ihr euer Leben auf Dauer verlieren. Es gibt so vieles, das größer ist als wir. Und das ist nicht nur der LKW, der uns laut hupend auf der Straße entgegen kommt, wenn wir - ohne nach links und rechts zu sehen - einfach loslaufen. Nein, es gibt so vieles - neben, unter, und über uns - das es zu entdecken gibt und das unser Leben reich macht, dass es schade wäre, an all dem einfach vorbei zu gehen. Auch Gott gehört für mich zu diesen Dingen dazu, die unser Leben reich machen, genauso wie die Musik, die Kunst oder die Liebe.
Darum: Traut euch, zu glauben. Auch wenn das nicht immer leicht ist. Seid dabei nicht leichtgläubig oder blind. Aber zieht euch auch nicht hinter einer Schutzwand zurück, auf der steht: man kann eh nichts wissen. Ja, das ist so, sage ich euch. Aber es ist nicht erwachsen, hinter einer solchen Wand stehen zu bleiben. Man kann nie wissen, ob einen der andere liebt. Oder die andere. Aber irgendwann ist es an der Zeit, es zu wagen. So ist es auch beim Glauben. Er ist ein Wagnis. Und er bleibt es. Ein Leben lang.
Und darum - zuletzt und am Wichtigsten - setzt bei eurem Glauben auf das richtige Pferd. Glaubt nicht an den Tod oder dass am Ende immer die Mächtigen siegen. Glaubt nicht, dass unsere Welt nur dazu da ist, um euch zu ärgern oder euch das Leben schwer zu machen. Glaubt vor allem nicht an irgendwelche Verschwörungstheorien, die Menschen nur einwickeln und in einer Filterblase gefangen halten. Nein, glaubt an etwas, an das es sich zu glauben lohnt. Das echt ist und das Hoffnung schenkt. Das euch Kraft gibt. Und euch frei macht.
Glaubt an Gott. Er ist die Quelle des Lebens, so heißt es in der Bibel.
Im Glauben an ihn, wächst Vertrauen. Es wächst die Fähigkeit, zu staunen, zu lieben, zu hoffen. Und am Ende wächst auch unsere Erkenntnis. So verstehen wir nach und nach auch uns selbst und die Welt besser. Oder wie es in den Worten der Bibel heißt: In seinem Licht sehen wir das Licht.
Manche Fragen lösen sich so im Glauben. Nicht sofort, aber mit der Zeit. Dafür kommen andere Fragen dazu. So macht der Glaube unser Leben reich. Weil er uns lebendig hält, auch im Fragen. Und weil wir etwas in uns tragen, das uns mit Gott, der Quelle allen Lebens, verbindet.
Und was dann am Ende kommt, das liegt sowieso nicht mehr in unserer Hand. Ob am Ende der Tod kommt - oder ein neues Leben - das können nicht wir entscheiden.
Ich hoffe aber, dass am Ende die Gnade bleibt. Weil alles Leben Gnade ist.
Ich hoffe, dass am Ende die Vergebung bleibt. Weil wir Menschen nie alles richtig machen in unserem Leben.
Und ich hoffe, dass am Ende das Leben bleibt. Weil das Leben so einzigartig und wunderbar ist, jeden Tag, ja, jede Sekunde und es unendlich traurig wäre, wenn es mit dem Tod so einfach so vorbei wäre. Und weil so viel Liebe in einem Leben liegen kann, so viel Liebe, die wir uns gegenseitig schenken können - und so viel Liebe, die Gott uns schenkt, dass es schade wäre, wenn auch dies so einfach - von einem Tag auf den anderen - vorbei wäre.
Auf diese Karte setze ich in meinem Glauben. Aber das ist letztlich nicht das Entscheidende - weder für mich, noch für euch.
Was viel mehr zählt ist, dass auch Gott auf diese Karte setzt - was zählt, ist, dass er da ist, voller Leben und sich an allem freut, was lebt. Was zählt ist, dass er sich auch an euch freut und euch hilft, dass bei euch am Ende das Leben siegt. Jetzt und in Ewigkeit. Amen.
(Pfr. Paul Wassmer, 22. Mai 2022, Maulburg)
