Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Maulburger Gemeinde

Der erste Pfarrer, der urkundlich in Zusammenhang mit dem Ort Maulburg erwähnt wurde, hieß Folcramnus. Sein Name wurde im Rahmen einer Schenkung im Jahr 786 n. Chr. genannt. Ob Folcramnus allerdings auch als Pfarrer hier in Maulburg tätig war, lässt sich aus den Quellen nicht eindeutig belegen.

Etwas besser wird die Quellenlage 400 Jahre später. So wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1244 n. Chr. ein gewisser Andreas als Pfarrer der Gemeinde in Maulburg erwähnt. Er war gemeinsam mit dem Pfarrer Arnoldus von Schopfheim als Zeuge bei einer Grundstücksangelegenheit tätig. Aus dieser Urkunde lässt sich schließen, dass es spätestens seit dem Beginn des 13. Jhd. eine Kirche und einen Pfarrer in Maulburg gab. Dafür spricht auch die Erwähnung der Maulburger Kirche in einer Urkunde vom 6. Juli 1249, in der der berühmte Minnesänger Walther von Klingen seine Güter an das Kloster Wettingen verschenkte (darunter auch die Maulburger Kirche, die ein Teil dieser Güter bildete). Auch der Fund einer Apsis bei Renovierungsarbeiten der Kirche in den Jahren 1973 / 74, die auf das 12 Jhd. datiert wurde, spricht dafür, dass sich seit dem frühen Mittelalter eine Kirche in Maulburg befand. 

Die Jahrzehnte und Jahrhunderte danach verschwinden allerdings wieder im Dunkel der Geschichte. Erst mit der Reformationszeit, in der die Gemeinde in Maulburg evangelisch wurde, wird die Quellenlage besser.

 

 

Seit der Reformationszeit sind die Pfarrer (und Pfarrerinnen) durchgehend belegt. Wobei sich bei manchen Pfarrerinnen und Pfarrern mehr in den Quellen finden lässt, bei den anderen weniger.

 

Der erste evangelische Pfarrer hieß M. Joseph Straub und kam aus Chur in der Schweiz. Er übernahm nur wenige Jahre nach der Einführung der Reformation im Markgräflerland im Jahr 1558 n. Chr. die Pfarrstelle in Maulburg. Er kam vermutlich durch die Vermittlung des evang. Basler Münsterpfarrers Dr. Simon Sulzer hierher nach Maulburg. Dieser Pfr. Dr. Sulzer aus Basel hatte vom Markgrafen Karl dem Zweiten von Baden die Einladung erhalten, bei der Reformierung des Markgräfler-Landes mitzuwirken. Durch seine Gelehrsamkeit, seine freundliche Sanftmut, seine Gottesfurcht und seine Fähigkeit zur Rede war Simon Sulzer weit über die Grenzen der Stadt Basel hinaus bekannt geworden. Er war viele Jahre hier im Markgräflerland als Reformator tätig und half, den evangelischen Glauben in der Region zu verbreiten und zu festigen.

Der zweite evangelische Pfarrer hieß Bernhard Reinacher. Er übernahm das Pfarramt in Maulburg im Jahr 1566. Dieser Pfarrer hatte wohl eher praktische Interessen, denn ihm wird - wie auch seinen Kollegen in Tegernau, Steinen und Wittlingen - in einer Synode nahegelegt, mehr Fleiß dem Studieren zu widmen und dafür weniger Interesse am Waidwerk zu zeigen.

Ihm folgte, als dritter Pfarrer in Maulburg Johann Weisner.

Der vierte evang. Pfarrer in Maulburg hieß Hieronimus Eisinger, oder wahrscheinlicher Gisingus (Gisin). Er zog im Jahr 1581 n. Chr. in das Pfarrhaus in Maulburg und war - wie viele Pfarrer hier im süddeutschen Raum - durch die Reformation in der nahegelegenen Schweiz geprägt. Die Reformation in der Schweiz, die mit den Namen Huldreich Zwingli und Johann Calvin verbunden ist, fand gleichzeitig mit der Reformation in Deutschland statt, die durch Martin Luther und Philpp Melanchthon geprägt wurde. Dabei waren sich die ersten Reformatoren in vielen Fragen einig, allerdings nicht in allen. So war vor allem das Abendmahl damals heftig umstritten. Zwingli vertrat die Auffassung, das Abendmahl sei ein reines Erinnerungsmahl, schließlich hieße es in der Schrift "das tut zu meinem Gedächtnis". Luther dagegen sagte, dass in - mit - und unter Brot und Wein Gott selbst zu finden sei, schließlich hieße es in der Schrift: "das ist mein Leib". Es gab damals verschiedene Versuche sich in dieser Frage zu einigen, diese scheiterten jedoch alle. So fand eine zunehmende Festschreibung der eigene Position statt. Einer diese Festschreibungen auf lutherischen Seite war die Konkordienformel, in der verschiedene lutherisch geprägte Bekenntnisschriften gesammelt waren. Als in Baden die Pfarrer aufgefordert wurden, die Konkordienformel zu unterschreiben, weigerte sich der Maulburger Pfarrer Hieronimus Eisinger. Er musste in Folge das Pfarramt im Maulburg aufgeben und kehrte nach zwei Jahren Dienst in Maulburg in seine Schweizer Heimat zurück.

Ihm folgte 1583 n. Chr. als fünfter evang. Pfarrer in Maulburg Jakob Batzendorf. Er war zuvor Pfarrer in der Markgrafschaft Hochberg gewesen und hatte dort die Konkordienformel unterschrieben. 40 Jahre blieb er in Maulburg Pfarrer, bis zum Jahr 1623 n. Chr..

Seine Nachfolge als sechster evang. Pfarrer in Maulburg trat Johann Bernhard Syndenius an. Er wurde aber nach Feuerbach versetzt, da wegen der Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618 n. Chr. - 1648 n. Chr.) die Felder nur noch wenig bebaut waren und er sich nicht mehr vom Zehnten ernähren konnte.

Ihm folgte im Jahr 1631 Johann Nerlichius als siebter evang. Pfarrer von Maulburg. Seine ersten Jahre in Maulburg fielen in die wohl härteste Phase des Dreißigjährigen Krieges in der Gegend. Drei Jahre lang hatten die Felder in Maulburg keinen Pflug mehr gesehen und der Mangel war überall groß. Hinzu kam die Einquartierungen von Truppen, Hungersnöte und die Pest. So kam es, dass Nerlichius schon bald nach Steinen versetzt wurde. Auch gingen durch die Kriegswirren in diesen Jahren zwischen 1630-1636 n. Chr. die Kirchenbücher in Maulburg verloren.

Als achter evang. Pfarrer kam von 1646 bis 1678 n. Chr. Johann Schöne nach Maulburg. Er war zuvor Diakon in Wieslet und Vogelbach gewesen und hatte dort die schrecklichen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges erlebt. Als er im Jahr 1646 in die völlig verarmte Gemeinde in Maulburg kam, war mit Maria Kleopha verheiratet, eine der Töchter des angesehenen Schopfheimer Vogst Christoph Höcklin. Seine Frau starb 1650 in Maulburg. Er heiratete erneut, doch starb auch seine zweite Frau im Jahr 1672. Erst aus seiner dritten Ehe mit Marie Salome Stupfer gingen zwei Kinder hervor, doch starb er im Jahr 1678 zwei Monate vor der Geburt seiner Tochter. Nach seiner 32jährigen Tätigkeit als Pfarrer in Maulburg wurde er in der Kirche bestattet. Dort wurde auch ein Grabstein aufgerichtet, der an ihn erinnert und der bis heute in der Kirche zu sehen ist (vgl. Die evang. Johanneskirche). Es handelt sich um einen farbig gefaßten ovalen Sandstein, der von Ranken umgeben ist. In der oberen Hälfte ist ein Herz zu sehen, aus dem Blumen sprießen, in der unteren Hälfte ist ein Totenkopf erkennbar, dazu eine Sanduhr vor einem aufgeschlagenem Buch.

 

 

Der neunte evang. Pfarrer in Maulburg hieß Johannes Wagner. Er war von 1678 bis 1722 n. Chr. Pfarrer im Dorf. Seine Amtszeit fiel in die Zeit des Pfälzischen Erbfolgekrieges, in dessen Verlauf französische Truppen ihr Lager in Maulburg bezogen. Die kaiserlichen Truppen rückten gegen die franz. Truppen von den Höhen des Schwarzwaldes an und errichteten vor Schopfheim, auf der Seite von Maulburg, ihr Lager. So wurde die Gemeinde von zwei Seiten bedrängt. Dabei hauste der Freund oft ebenso schlimm wie der Feind. In einer Eingabe, die Pfarrer Johannes Wagner im Jahr 1691 n. Chr. machte, wird deutlich, wie er unter den Folgen des Krieges litt.

Er schreibt, dass er manche Einnahmen aus dem Zehnten schon seit neun Jahren nicht mehr erhalten habe, dass das Pfarrhaus von den Soldaten ruiniert worden sei und dass die Früchte, aus denen seine Besoldung bestand, zerstört seien. Auch seien die Dorfbewohner im Feldbau behindert, so dass er so gut wie ohne Besoldung dastände. Er endet mit den Worten "... weswegen ich mit den Meinigen kein Stücklein Brod, viel weniger einen Trunk ins Haus schaffen kann." Anstatt Hilfe zu erhalten, wurde ihm jedoch, wie während des Krieges üblich, ein Viertel seines Verdienstes abgezogen. Nach dem Krieg besserte sich nach und nach die Lage. Er bezog im Jahr 1699 sein eigenes Haus. Auch erhielt er im Jahr 1711, als er mit 63 Jahren schwerhörig wurde, verschiedene Vikare, die ihm in seinem Dienst zur Seite standen.
 
Altes Pfarrhaus in der Hermann-Burte-Straße 67
 

 

Steintafel am alten Pfarrhaus (mit dem Namen von Pfr. Johannes Wagner)

 

 

Nach der Pensionierung von Johannes Wagner übernahm der Vikar Johann Leonhard Walz die Verwaltung der Pfarrstelle. Er erhielt dafür die Hälfte des Geldes aus der Pensionierung von Pfarrer Johannes Wagner, der sich seinerseits mit der anderen Hälfte des Geldes zufrieden geben musste. Nach dem Ende seiner Vikarszeit wurde Johann Leonhard Walz der zehnte evang. Pfarrer in Maulburg.

Eine besondere Rolle in der Geschichte der Maulburger Gemeinde spielt der Magister Johann Dietrich Bohm, der als elfter Pfarrer nach Maulburg kam. Er war zuvor Pfarrer in Grötzingen gewesen, ehe er als Pfarradjunkt nach Maulburg zog und hier von 1725 bis 1769 n. Chr. als Pfarrer wirkte. Johann Dietrich Bohm war eine sehr energische Persönlichkeit und führte in seiner Zeit hier in Maulburg viele Kämpfe. Er versuchte mit scharfer Feder, zum Teil aber auch über Gerichte, die wirtschaftlichen Verluste rückgängig zu machen, welche die Gemeinde erlitten hatte. Trotz seines energischen Auftretens konnte er jedoch nicht verhindern, dass die Baupflicht, die bisher von der Stadt Basel getragen wurde, der Gemeinde verloren ging. Auch mit seinen Forderungen nach Pachterträgen aus unterschiedlichen Grundstücken der Gemeinde konnte er sich nicht durchsetzen. So musste er bei einem Prozess, den er verlor, vier Gulden Schreib- und Gerichtskosten zahlen. Erst nach seinem Tod traten einige der Erfolge ein, für die er sein Leben lang gekämpft hatte.

Mehr Erfolg als bei seinen Rechtsstreitigkeiten hatte er dagegen mit seinem Engagement für einen Neubau der Kirche. In vielen Eingaben schilderte er den höchst baufälligen Zustand der alten Kirche und schaffte es so, dass es in seiner Amtszeit zu einem Neubau der Kirche kam. Diese Kirche aus dem Jahr 1753 wird bis heute von der Gemeinde für ihre Gottesdienste benutzt (mehr dazu unter: Die evangelische Johanneskirche).

Johann Dietrich Bohm war in seinem Leben dreimal verheiratet:

mit Agnes Margarete Goyer (gest. 1755 n. Chr.), mit Christina Anna Dietz (der Witwe des Pfarrers Johann Friedrich Metten aus Feuerbach) und mit Barbara Elisabet Arbotin (der Witwe des Pfarrers Johann Friedrich Mauritius vom Kloster Weitenau). Er hatte aus den verschiedenen Ehen zahlreiche Kinder.

Bis heute erinnert an ihn und seine Familie ein Stein in der Kirche. Dort heißt es: "Dieser Stein ist als ein Zeuge elterlicher Liebe gegen zwei ... Kinder Johannae Margarethae (geb. am 27. Dez. und gest. am 28. Dez. 1728) und Johann Daniel (geb. 11. Dez. 1731 und gest. 18. Sept. 1732) aufgerichtet worden ... von deroselben betrübten Eltern Johann Dietrich Bohm, Pfarrer zu Maulburg und Dossenbach und Agnes Margarete Bohm, geb. Goyer."

 


... die Reihe wird demnächst fortgesetzt.

1769   Johann Michael Hauber

1777   Karl Georg Bohm

1780   Johann Christoph Obrecht

1810   Karl-Friedrich Eisenlohr

1814   Christian Heß

1828   Karl Ludwig Jakon Martini

1832   Chr. Jakob Lepper

1841   Karl Friedrich Ruckhaber

1850   Jakob Rieger

1859   Karl Rein

1864   Heinrich Rudolf Raupp

1879   Dr. Theodor Wilhelm Fischer

1907   Heinrich Emil Schmith

1914   August Ehrly

1932   Dr. Hugo  Reinhard Helmut Bier

1935   Dr. Hans Georg Karl Ludwig Bornhäuser

1948   Wilhelm Eugen Georg Scheytt

1950   Johannes Friedrich Haas

1960   Karl Fiand

1971   Josef Ackermann

1979   Helfried Heidler

1999   Gerhild Widdess (geb. Konrad) und Peter Widdess

2010   Nicole Otte-Kempf

2019   Bärbel Wassmer und Paul Wassmer

 

 

Quellen:

Mulburger G´schichte (Ein Gruß zum Geburtstag, Ausgabe April 2000, Pfr. Peter Widdess)

Aufzeichnungen des Pfarrers Karl Ludwig Jakob Martini

Chronik der Gemeinde Maulburg