Gnade und Friede sei mit euch,
von Gott unserem Herrn.
Herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst, heute am Pfingstsonntag. Die Geschichte von Pfingsten, die zum heutigen Festtag gehört, wird am Anfang der Apostelgeschichte erzählt. Dort heißt es, dass die Freunde Jesu zum Laubhüttenfest in Jerusalem zusammen kamen. Doch hatten sie Angst und trauten sich nicht nach draußen. Aber dann kam auf einmal ein Brausen auf und ein Wind fuhr durch das Haus. Mit diesem Wind verschwand ihrer Angst. Ein neuer Geist hatte sie erfasst. So gingen sie nach draußen und redeten so enthusiastisch, dass jeder meinte, sie in seiner eigenen Sprache hören zu können.
Der Geist, der damals die Menschen erfüllte, machte ihnen Mut. Er begeisterte sie und führte sie zusammen. Sein Kommen feiern wir heute am Pfingstfest. Dabei hören wir als Bibeltext auf die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Sie ist die Gegengeschichte zur Pfingstgeschichte. Schließlich wird dort die Sprache verwirrt, so dass keiner mehr den anderen versteht.
Dabei ist es doch so wichtig, einander zu verstehen und einen Geist zu haben, der uns verbindet. Gerade in diesen Corona-Zeiten. Um diesen Geist bitten wir mit dem Lied:
EG 130 O Heil´ger Geist kehr bei uns ein
EG 130 O Heil´ger Geist kehr bei uns ein
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes
des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Lasst uns beten:
Komm, heiliger Geist
und berühre mich mit deiner Kraft.
und berühre mich mit deiner Kraft.
Schenke mir ein Ziel,
das über den Tag hinausreicht,
und meinem Leben einen Sinn gibt.
das über den Tag hinausreicht,
und meinem Leben einen Sinn gibt.
Mache mich sichtbar,
so dass ich nicht Luft bin für andere,
schenke mir einen Halt,
so dass ich nicht ein Blatt bin, das vom Wind verweht wird.
Und schenke mir Vertrauen in andere Menschen,
so dass ich meine inneren Fenster weit öffnen kann.
so dass ich nicht Luft bin für andere,
schenke mir einen Halt,
so dass ich nicht ein Blatt bin, das vom Wind verweht wird.
Und schenke mir Vertrauen in andere Menschen,
so dass ich meine inneren Fenster weit öffnen kann.
Entzünde dein Feuer in mir,
so dass ich für die Wahrheit brenne,
für die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit,
die in dir wohnen.
Und gib mir dazu Freunde und offene Hände,
und ein Lichtzeichen in der Nacht.
so dass ich für die Wahrheit brenne,
für die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit,
die in dir wohnen.
Und gib mir dazu Freunde und offene Hände,
und ein Lichtzeichen in der Nacht.
Amen.
Als Lesung für den heutigen Pfingstmontag hören wir die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Sie steht im ersten Buch Mose, im 11. Kapitel, die Verse 2 bis 9. Dort heißt es:
"Als die Menschen nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten dort. Und sie sprachen untereinander: "Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen!" - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: "Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder."
Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: "Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen alle, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.
Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe!"
Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe!"
So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mußten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr dort verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder."
EG 134 Komm, o komm du Geist des Lebens
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Gott segne Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde
Kennen Sie das Spiel Jenga? Es besteht aus lauter kleinen Vierkantsteinen aus Holz, die zu einem Turm aufgeschichtet werden. Dabei werden immer drei Steine längs gelegt, und danach drei Steine quer. So wird am Anfang ein Turm aufgebaut. Doch damit fängt das eigentliche Spiel erst an: Denn nun wird reihum unten immer ein Klötzchen herausgezogen - dort, wo es möglich ist, so dass der Turm nicht umfällt - und oben wieder aufgeschichtet. So wird der Turm immer höher. Am Anfang ist es noch leicht unten im Turm ein Holzklötzchen zu finden, das entbehrlich ist und das man - ohne dass der Turm umfällt - herausziehen kann. Doch nach und nach wird es immer schwieriger. Denn jedes Klötzchen, an dem man ein wenig zieht, bringt den Turm ins Wanken. Bis der Turm irgendwann umfällt.
Manchmal, liebe Gemeinde, denke ich, dass die Türme, die wir in unserem Leben bauen, ganz genau so aussehen. Wir streben nach oben, jede und jeder für sich - wie auch unsere Gesellschaft als Ganzes. Es gibt nur eine Richtung, immer höher - immer weiter. Und um immer höher und immer weiter zu kommen, nehmen wir von unten weg, was uns dort entbehrlich erscheint. Am Anfang geht das meist noch ganz gut. Bis unser Fundament, also das, worauf wir stehen, immer löchriger und wackliger wird.
Wie wacklig so etwas werden kann, merken wir in Zeiten der Krisen wie jetzt durch Corona. Da machen sich die Einsparungen der vergangenen Jahrzehnte im Gesundheitswesen deutlich bemerkbar, wie auch bei den Schulen. Aber auch bei unseren privaten Fundamenten lässt uns die Krise spüren, wo wir auf wackligen Füßen stehen.
Da gibt es Ehepaare, bei denen jeder und jede an seinem / ihren eigenen Turm gebaut hat. Die gemeinsame Basis, die Liebe, die sie einmal verbunden hat, ist dabei über den Bau dieser Türme verloren gegangen. Statt aufeinander zuzugehen, haben sie sich immer weiter in ihre eigenen Türmen zurückgezogen. Es ist kein Krieg, zumindest keiner von der lauten Sorte. Aber es ist ein Kampf. Man reibt sich, man neidet sich, man sägt am Ast des anderen. Man macht alles Mögliche, nur nicht das, was der gemeinsamen Beziehung gut täte.
Türme, die wir bauen, in unserer Gesellschaft, wie auch in unserem Leben.
Vielleicht fallen ihnen ja auch noch weitere solche Türme ein?
So stehen viele Menschen in ihrem Beruf unter einem hohen Stress. Sie bauen dort Stein auf Stein an ihrer Karriere. Sie sind getrieben, von ihrem Chef, von der Arbeit, von der Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren. So arbeiten sie immer schneller, immer mehr, bauen den Turm immer höher. Dünn wird die Luft da oben. So greifen sie ihre Reserven an, ihr Fundament der Gesundheit. Bis der Turm dann zum Einsturz kommt: Herzinfarkt. Und dabei war er doch noch nicht einmal 50!
Türme, die wir bauen in unserem Leben.
Vielleicht, liebe Gemeinde, geht es ihnen ja so wie mir: wenn man erst einmal darüber nachdenkt, wie die Türme zu Babel heute aussehen, kann man sie an vielen Orten entdecken. Und das Erstaunliche daran ist, je mehr man sie kennt, umso weniger traurig ist man, wenn einer davon umfällt. So wie beim Spiel Jenga, wo es am Ende dazu kommt, dass keiner mehr etwas tun kann, wo alles zum Erliegen kommt, bis einer den Mut hat und den entscheidenden Stein herauszieht, der den Turm zum Einsturz bringt. Und mit dem Einsturz alle von der Anspannung befreit, unter der sie immer mehr standen.
Denn der Bau eines solchen Turmes bindet viele Mühe und Arbeit. Und erst wenn man davon ablässt, wenn man den Turm gleichsam einstürzen läßt, wird man wieder frei.
Das ist auch in der Geschichte vom Turmbau zu Babel so. Damals waren die Menschen zu Sklaven ihres Traums geworden. Ihre Idee von immer höher, immer weiter hatte sie gefangen und machte ihr Leben immer gefährlicher. Denn je höher sie aufstiegen, umso mehr drohte ein tiefer Fall. Dabei wusste damals vermutlich jeder, dass es nicht ewig so weitergehen konnte. Aber keiner fand den Mut aufzuhören. So ging es immer weiter und weiter, bis es irgendwann zur Katastrophe kommen musste.
Aber dann, so erzählt die Geschichte - griff Gott ein - und verhinderte das Schlimmste. Er verwirrte ihre Sprache - so heißt es in der Bibel. Oder anders ausgedrückt: er gab jeden und jede die Chance, wieder zu sich selbst zu kommen - und seine eigene Sprache zu finden. Er gab den Menschen Zeit, über ihre Leben nachzudenken. Über Fragen wie: Was will ich wirklich? Will ich hier weiterbauen, ohne Maß und Ziel? Oder brauche ich für mein Leben nicht etwas anderes?
Die Entscheidung folgte schnell. Mit den Füßen. Die Leute flohen den Ort. Froh, an einem anderen Ort noch einmal neu anfangen zu können.
Auch wir heute brauchen solche „Auszeiten" und „Umdenkzeiten". Gerade dort, wo wir an unseren Türmen bauen. Wir brauchen Abstand. Damit wir das richtige Maß und Ziel finden können. Wir brauchen ruhige Momente, in denen wir uns fragen können, was wirklich wichtig ist. Und was nicht.
Wir brauchen - anders ausgedrückt - Orte, an denen uns ein neuer Geist erfassen kann. Einer, der uns frei macht - und nicht zu Sklaven unserer Größenphantasien. Ein Geist, der einem Luft zum Atmen schenkt. Ein Geist der Wahrheit, der nicht nach dem schielt, was dem Vorgesetzten angenehm ist und der sich auch nicht von irgendwelchen Verschwörungstheorien und Fake-news täuschen lässt, sondern der die Wahrheit sucht, unabhängig, ob sie für oder gegen einen spricht. Ein Geist der Liebe, der Brücken baut, vom einem zum anderen. Brücken, auf denen wir die falschen Türme in unserem Leben auch wieder verlassen können, bevor sie einstürzen und wir alle darunter begraben werden. Ein Geist des Friedens, der hilft, die Gräben zwischen den Menschen zu überwinden, so dass Versöhnung und Verständnis wächst, wo vorher noch Fremdheit und Hass vorherrschten. Ein Geist, der keine Türme bauen muss für seinen Ruhm, sondern der unsere Füße auf den Boden stellt, so dass wir dort fest stehen können.
Diesen Geist, liebe Gemeinde, der sich seinen Nächsten zuwendet, schenkt uns Gott, heute an Pfingsten. Wir brauchen uns ihm nur zu öffnen. Ihn gleichsam hereinlassen in unser Leben, damit er in uns wohnen kann mit seiner Kraft. So dass er uns begeistert und wir den engstirnigen Türmen, die wir immer wieder in unserem Leben bauen, den Abschied geben. So dass das Leben neu beginnt, und ins fließen kommt, miteinander und mit Gott, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
NL 105 Atme in uns, Heiliger Geist
Lasst uns nun miteinander und füreinander beten:
Barmherziger Gott
Komm mit deinem Geist zu allen Menschen, die müde und erschöpft sind und schenke ihnen Kraft. Komm zu denen, für die das Leben fade und leer geworden ist und die sich ein erfüllteres Leben wünschen. Sende deinen Geist, der Herzen und Sinne aufschließt und der neue Wege aufzeigt, zu einem Leben in Fülle.
Komm zu allen Menschen, die sich selbst eingeschlossen haben hinter ihren Wänden, gebaut aus Steinen ihrer Angst. Schenke ihnen deinen Geist, der den Blick weitet und der zur Freiheit der Kinder Gottes führt.
Komm zu unserer Kirche und zu allen Kirchen in der Welt, die sich oft in ihren Türmen versteigen und dabei dich und die Menschen aus den Augen verlieren. Schenke uns deinen Geist, der uns lehrt, dich und uns Menschen zu achten und zu lieben. Und der eine Begegnung in Wahrheit und Verständigung möglich macht.
Und komm in unsere Welt, die ohne deinen Geist zugrunde geht. Bewahre uns davor, dass wir selbst unter den Trümmern der Türme umkommen, von denen wir Menschen nicht lassen können: Umweltzerstörung, Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg. Schenke uns deinen Geist, dass wir unsere Kraft gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung, die Gerechtigkeit und den Frieden einsetzen.
Wir beten weiter, miteinander und füreinander in der Stille
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.
geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
EG 171 Bewahre uns Gott, behüte uns Gott
Wochenspruch:
"Es soll nicht durch Heer oder Kraft,
sondern durch meinen Geist geschehen,
spricht der Herr, Zebaoth." (Sach. 4,6)
Empfangt nun den Segen Gottes:
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Pfr. Paul Wassmer
