Predigt I. Kor. 2, 12-16 (Pfingstsonntag 2023)

 
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus 
Und die Liebe Gottes  
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. 
 
Gott segne Reden und Hören. Amen.
 
Liebe Gemeinde,
der Predigttext zum heutigen Pfingstsonntag steht im 1. Korintherbrief, im 2. Kapitel, die Verse 12 – 16. Paulus schreibt dort:
 
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen«? (Jesaja 40,13) Wir aber haben Christi Sinn.
 
Liebe Gemeinde,
Pfingsten – da kommt der Geist Gottes.Paulus Sätze kreisen um den Geist Gottes als Gottesgeschenk.
Doch das Wichtigste ist im ersten Satz schon gesagt: 
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.
Aber geht es noch etwas konkreter? Vielleicht mit einem anschaulichen Bild? Damit wir wirklich verstehen, welcher Geist uns von Gott geschenkt ist?
In diesem Jahr gar kein Problem. Seit vier Wochen haben wir die Schutzmantelausstellung von Astrid J. Eichin hier in der Kirche. Und inzwischen habe ich mich an die Mäntel gewöhnt, als seien es alte Bekannte. Ich habe festgestellt, dass in jedem Mantel ein anderer Aspekt des Geistes wohnt, den wir von Gott geschenkt bekommen. Und dass alle zusammen genauso bunt sind wie der Heilige Geist.
 
Ich beginne nun gedanklich am Eingang unserer Kirche und gehe einmal an den verschiedenen Mänteln entlang, bis ich hier vorne, beim goldenen Mantel, der Glückshaut, ankomme.
Links im Eingang, da hängt ein Mantel, an dem Sie vielleicht einfach vorbeigelaufen sind, denn er ist nicht so auffällig. Er besteht aus weißem Fischernetz und das einzig wirklich Auffällige ist etwas dickes, leuchtend rotes, fast wie ein Kissen, an der Stelle, wo das Herz hingehört.
 
Dieser Mantel war mir sofort sympathisch. Er erinnert mich an Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben. Solche Menschen brauchen gar nicht viele Schnörkel und Verzierungen. Das ist alles gar nicht wichtig. Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, können auch Fehler machen. Alles nicht so schlimm. Hauptsache, sie haben das Herz auf dem rechten Fleck. Der weiß rote Mantel erinnert mich an einen Freund, der leider schon lange gestorben ist. Bei ihm war das so. Er war unser Nachbarkollege. Manches, was er angepackt hat, war so, wie ich es nie gemacht hätte. Aber egal, er hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Da war es leicht, ihm alles zu verzeihen. Oft, wenn er etwas sagte, traf es nicht ganz den rechten Ton oder es schoss übers Ziel hinaus. Bei anderen wäre ich bei solchen Aussprüchen auf die Barrikaden gegangen. Bei ihm nicht. Er war er und hatte das Herz auf dem rechten Fleck.
Vielleicht kennen Sie auch solche Menschen, denen Sie nichts übelnehmen können, einfach, weil sie das Herz auf dem rechten Fleck haben?
Und könnte es sein, dass Gottes Geist uns hilft, das Herz auf dem rechten Fleck zu haben…oder auch, Fehler und Kanten zu verzeihen, weil sie zu einem Menschen gehören, der trotzdem das Herz auf dem rechten Fleck hat.
 
Wenn es nun in die Kirche hineingeht, hängt der bunteste Mantel direkt im Weg. „Hand in Hand“ heißt er und ist in einer Maulburger Gemeinschaftsaktion entstanden. Viele Menschen haben in Vereinen, kirchlichen Gruppen oder auch alleine ihre Hände gestaltet. Danach hat die Künstlerin alles zusammengefügt. Wenn Gottes Geist eines ist, dann, dass er ganz verschiedene Menschen miteinander verbindet. Mit dem Geist Gottes können die verschiedensten Menschen gemeinsam handeln. Und was dabei herauskommt, ist unwiderstehlich bunt.
 
Ich wandere nun an der Wand entlang, an der einige sehr alte und berührende Grabsteine zu sehen sind. Dazwischen sehe ich einen Mantel, der aus dem Rahmen fällt. Das fängt schon mit dem Titel an: „Es scheuert“  Wer möchte schon etwas anziehen, was scheuert? Und dann besteht er auch noch aus Schmirgelpapier. An dem kann man sich wundreiben und aufreiben.
Doch leider ist es so, dass wir uns im Leben nicht immer nur die kuscheligen Mäntel aussuchen können. Manchmal kommt so ein Schmirgelpapiermantel daher, besonders dann, wenn es um Tod und um Abschied oder um Krankheit geht. Da bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns an diesem Mantel zu reiben und zu hoffen, dass wieder bessere Zeiten kommen. In solchen Zeiten, in denen uns so elend ist, dass wir nicht mehr wissen, was wir beten sollen, hilft uns der Geist Gottes. Er betet an unserer Stelle, so wie Paulus es im Römerbrief sagt:
 
Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich‘s gebührt; sondern der Geist selbst hilft uns mit unaussprechlichem Seufzen. (Röm. 8,26)
 
Relativ nah am Scheuermantel sehen Sie den Maismantel. Er besteht aus Naturmaterial und kann Wasser abperlen lassen. Also wieder ein nährender und schützender Mantel. Das ist das, was Heilige Geist gerne macht: schützen und nähren und im Leben dabei sein.
 
Hinter dem Altarkreuz verbirgt sich ein luftiges Gebilde. Es besteht aus 1000 Kranichen. Und wären sie nicht ganz zart angebunden, dann würden sie sicher wegfliegen. Die Kraniche mit ihrer Leichtigkeit erinnern mich daran, dass der Geist Gottes auch so etwas Leichtes, Wehendes hat, wie ein Windhauch. Der Geist weht, wo er will. Er ist beweglich und gar nicht leicht zu fassen. Aber er ist immer da. 
Wer tausend Kraniche faltet, hat einen Wunsch offen.
Was wäre Ihr Wunsch, wenn Sie einen offen hätten?
Welchen Wunsch würden Sie sich gerne erfüllen?
 
Und als letztes sehen Sie hier vorne rechts einen goldenen Mantel. Eine goldene Glückshaut, wie er heißt. Er sieht nicht nur schön und glitzernd aus, sondern er hat viele durchsichtige Plastikröhrchen auf seiner Haut. Die sind eine Einladung, bei der Suche nach dem Glück mitzumachen. Denn jeder Mensch erinnert sich an Glücksmomente im eigenen Leben oder einer ganze Geschichte dazu. Es macht glücklich, sich an die eigenen Glücksmomente zu erinnern. Wer mag, kann solche Glücksmomente aufschreiben, sie zusammenrollen und in die Röhrchen vom Glücksmantel stecken. Einige haben das schon getan. 
Und Gottes Geist? Der ist das, was in uns hüpft, wenn wir glücklich sind. 
Gottes Geist freut sich mit uns in allen Farben. Gottes Geist begleitet unsere Glücksmomente, denn die größten Glücksmomente habe mit Liebe zu tun. Und „Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
 
Wir haben nun von sechs verschiedenen Versionen des Heiligen Geistes gehört. Alle sind unterschiedlich und doch gehören alle zusammen.
Ich wünsche uns zu diesem Pfingstfest deshalb, dass der Geist Gottes bei uns und um uns herum ist, in mindestens sechsfacher Weise.
 
Möge der Geist Gottes
uns zu Menschen machen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben und auch Fehler verzeihen können.
 
Möge der Geist Gottes
uns so unterstützen, dass wir miteinander Hand in Hand arbeiten können.
 
Möge der Geist Gottes
bei uns sein in den Zeiten, in den wir uns wundscheuern vor Schmerzen und Trauer und möge er mit unaussprechlichem Seufzen für uns beten.
 
Möge der Geist Gottes
uns schützen und nähren, so dass wir beschützt durchs Leben kommen.
 
Möge der Geist Gottes
uns beflügeln, wenn wir Träume und Wünsche haben und möge er uns helfen, Wünsche zu verwirklichen.
 
Möge der Geist Gottes
uns daran erinnern, welches Glück wir schon erleben durften und möge er bei neuen Glücksmomenten in uns hüpfen.
 
Denn, wie Paulus schreibt:
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.
Amen. 
 
Pfrin. Bärbel Wassmer (Pfingstsonntag 2023)