Predigt Matth, 1, 18-25 (Pfr. Paul Wassmer)
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Gott segne reden und hören. Amen.
Liebe Gemeinde
Als Predigttext für den heutigen Weihnachtsfeiertag hören wir auf Worte aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 1. Dort heißt es:
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, fand es sich, dass sie schwanger war. Josef aber, rechtschaffen wie er war, sah sie in Schande und gedachte sie heimlich zu verlassen.
Als er das noch bedachte, erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden." So würde erfüllt, was der Herr durch den Propheten Jesaja gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7, 14): „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben", das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und als sie den Sohn gebar, gab er ihm den Namen Jesus.
(Matthäus 1, 18 - 25)
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Gott segne reden und hören. Amen.
Liebe Gemeinde
Als Predigttext für den heutigen Weihnachtsfeiertag hören wir auf Worte aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 1. Dort heißt es:
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, fand es sich, dass sie schwanger war. Josef aber, rechtschaffen wie er war, sah sie in Schande und gedachte sie heimlich zu verlassen.
Als er das noch bedachte, erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden." So würde erfüllt, was der Herr durch den Propheten Jesaja gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7, 14): „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben", das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und als sie den Sohn gebar, gab er ihm den Namen Jesus.
(Matthäus 1, 18 - 25)
Liebe Gemeinde
Wie viel Erwartung steckt in Weihnachten - und zugleich - wie viel Enttäuschung? Erwartungen auf Heil, auf Geborgenheit, auf einen Halt - in einer Welt, die oft kein Halten mehr kennt - und zugleich so manche Enttäuschung, weil die Welt nie so ist, wie wir sie uns erträumen, so dass wir immer wieder mit leeren Händen dastehen?
Auch die Geschichte in der Bibel erzählt von diesem Zwiespalt, der scheinbar schon seit Anbeginn zum Weihnachtsfest dazugehört. Denn auch dort finden sich auf der einen Seite viele Erwartungen: So träumt Josef dort vom großen Glück - von einer Familie, gemeinsam mit Maria, seiner zukünftigen Frau. Er liebt sie, er vertraut ihr - aber dann muss er erfahren - wie, das wird nicht erzählt, aber es ist zu vermuten, dass da schon der eine oder andere nachgeholfen hatte - dass seine Braut schwanger ist - und alles bricht auseinander: das Vertrauen - die gemeinsame Zukunft. Nichts davon ist mehr da. Das tut weh - und nichts mehr ist heil.
Trotzdem fängt genau hier die Weihnachtsgeschichte an. Und das hat auch seinen guten Grund: denn Weihnachten ist mehr, als unsere Erwartungen, mehr als die Traumschlösser, die wir manchmal bauen, mehr als unsere Sehnsucht nach Idylle. Denn an Weihnachten kommt das Heil und das Unheil dieser Welt zusammen - und da knarzt es immer - aber am Ende gewinnt das Heil. Vielleicht ist Weihnachten deshalb auch so wichtig. Weil es eine Hoffnungsgeschichte erzählt und wir Menschen solche Hoffnungsgeschichten brauchen.
Die Menschen damals brauchten solche Hoffnungsgeschichten, denn sie lebten in einem Land, das von einer fremden Militärmacht besetzt war. Ihre Welt änderte sich laufend und viele fühlten sich hilflos und ohnmächtig. Auch unsere Welt verändert sich laufend.
Da ist die enorme technische Entwicklung, die unsere Welt gefangen nimmt - und uns vor einem enormen Veränderungsdruck stellt. Und so wie der Horizont damals dunkel war durch die Bedrohung der Römer, so wird unsere Welt verdunkelt durch den drohenden Klimawandel.
Wer aber immer nur auf das drohende Unheil starrt, wird leicht davon gefangen genommen. Und wer der Welt immer nur hinterher rennt, dem geht schnell die Puste aus. Anders, wer einen Ort gefunden hat, der ihm Ruhe schenkt. Einen Ort, der wie ein archimedischen Fixpunkt fest verankert ist und von dem aus man sich der Welt von Neuem nähern kann.
Weihnachten ist ein solcher Fixpunkt. Da sind die gewohnten Rituale: der Baum mit seinen Kerzen, dazu die Plätzchen, das Weihnachtessen, der Weg in die Kirche und die Anrufe bei den Verwandten. Nicht, dass man sich Weihnachten machen kann - aber die Gefühle wissen sich in diesem allseits Bewährten trotzdem aufgehoben. Und so hat Weihnachten auf seine ganz eigene Weise etwas Heiliges. Wir beschwören Halt mitten im Vergehen. Wir erleben Heimat - in einer Welt, die sich laufend wandelt und scheinbar keine Heimat mehr kennt.
Darum ist Weihnachten wichtig. Denn an Weihnachten wird uns Heimat zugesprochen, von dem, der letztlich allein Heimat schenken kann. Und zwar auf eine viel tiefere Weise, als wir das selbst können. Denn an Weihnachten versichert uns Gott, dass wir in seiner Welt einen Platz haben - auch wenn sich um uns herum alles verändert. Oder um in den Bildern von Weihnachten zu sprechen: Die Tür zum Stall ist offen. Alle können kommen. Hirten, ebenso wie Könige. Arme, ebenso wie Reiche. Sie alle scharen sich um das Kind in der Krippe, das so unwiderstehlich ist wie jedes Neugeborene, und auch so voller Glück. Dieses Kind bestimmt seine Umgebung. Durch sein Glück, seinen Himmels-Schein und durch seine völlige Bedürftigkeit.
So kommt Gott, erzählt die Weihnachtsgeschichte. Nicht durch Blitz und Donner, nicht mit Drohen, Befehl und Strafe. Nicht als Krankheits-Zuteiler oder Moralapostel, nicht als Einhämmerer von Normen oder als Bedränger. Nicht so kommt Gott, sondern er kommt als Kind. Und wir alle haben bei ihm Platz, eine Heimat, in seinem Stall.
Dabei war für Josef am Anfang dieses Kind keineswegs mit Gott oder mit Glück verbunden. Wie gesagt, besonders heil fängt die Weihnachtsgeschichte nicht an. Denn mit diesem Kind, das Maria da unter ihrem Herzen trägt, zerplatzen erst einmal alle Träume Josef´s von einem gemeinsamen Leben voller Glück. Ein solches Kind - das darf nach den damaligen Gesetzen Israels nicht sein. Ein solches Kind ist ein Skandal.
Und sofort fangen die Gedanken in seinem Kopf an zu kreisen: „Wenn das Kind nicht von mir ist, dann war sie bei jemand anderem!" Wut, Empörung und verletzter männlicher Stolz machen sich breit. Josef, der einfache Zimmermann, würde am Liebsten zu einer Axt greifen, wenn er nur wüsste, wer hinter diesem Kind steckt. Aber er weiß es nicht. Und so kann er seine Wut nur gegen Maria richten. Sie wird zu seinem Opfer, wie so viele Mütter - mit unehelichen Kindern. Auch sie werden verworfen, oft gerade von den Menschen, die sie doch eigentlich lieben.
Dabei ist Josef sogar noch stolz auf sich. Denn nach damals geltendem Recht könnte er Maria auch vor Gericht stellen. Dabei stand auf Ehebruch damals die Todesstrafe. Aber weil er sie noch immer liebt, ringt er sich einen Kompromiss ab und will sie statt dessen nur heimlich verlassen. So erspart er ihr den Prozess. Und er denkt: das ist eine gute Lösung. Ja, er ist wie gesagt sogar stolz auf sich, dass er seine Wut, seinen verletzten Stolz so weit unter Kontrolle gebracht hat, um ihr großmütig das Leben zu schenken.
Manchmal, liebe Gemeinde, sind wir Menschen recht eigenartig - wir meinen das Beste zu tun - und es ist doch nicht gut. Denn mit dieser Lösung hätte Josef Weihnachten nicht erlebt. Ja, Weihnachten wäre ohne ihn geschehen - weil er - aus falschem Stolz - die Liebe verraten hätte. Dabei merken wir Menschen manchmal gar nicht, dass wir die Liebe verraten - so wie Joseph in unserer Geschichte es nicht merkt - weil alles doch so vernünftig klingt, so gut, so edel. Und es doch nicht ist.
Da braucht es schon jemand von außen, der uns die Augen öffnet. So wie bei Josef, zu dem mitten in der Nacht ein Engel kommt.
Es ist - denke ich - kein Zufall, dass es mitten in der Nacht geschieht - wenn im Schlaf unsere Vernunft ausgeschaltet ist - und unser Gehirn seine eigenen Wege geht. Da erleben wir den Tag noch einmal, denken uns die Welt zurecht - oder denkt sich die Welt uns zurecht? Wir hören noch einmal manches anders, bekommen eine neue Sicht auf die Dinge, weil sich im Schlaf die Gewichte neu verteilen - wir eine neue Balance in uns finden. Auf jeden Fall ist der Morgen klüger als der Abend.
Was ist wohl besser? Einen Engel zu sehen? Oder von einem Engel zu träumen? Einen Engel zu sehen, das ist etwas Lichtvolles, das von außen kommt. Aber wenn wir von einem Engel träumen, ist immer auch etwas von unserem eigenen Licht mit dabei. Da spricht - in der Gestalt eines Engels und mit Gottes Hilfe - unser besseres Selbst zu uns.
Wie viel Grauen kann so entschärft werden über Nacht? Wie viel Hass und Rachegedanken können sich auflösen, wenn in der Nacht jemand zu uns spricht, der es gut mit uns meint und dem wir vertrauen? Weil es unser eigener Engel ist, der uns die Angst nimmt.
Als Josef am nächsten Morgen von seinem Traum erwacht, hat er die Stimme des Engels noch im Ohr: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen! Und nimm auch das Kind an, denn es kommt von Gott!" Stolz, Ehre und Eitelkeit kann er fahren lassen, kann diesem Kind ein Vater sein, das gewollt ist von Gott. Und auch das ist Traummitteilung an Josef: du bist würdig, wichtig, nötig, das Kind großzuziehen und du sollst dem Kind den Namen geben.
Der Name ist Auftrag. Er ist nicht besonders klangvoll, dafür aber bedeutungsvoll: Jesus – also Retter, Heiland, Erlöser, so soll das Kind heißen. Josef nimmt dabei mit diesem Namen eine alte Prophezeiung aus dem Propheten Jesaja auf. Dort heißt es: Eine junge Frau wird ein Kind empfangen, das soll „Gott mit uns" heißen. Gott mit uns, Gott rettet uns, so nennt er das Kind. Und so kann es auch endlich für Josef Weihnachten werden.
Liebe Gemeinde
Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber je mehr ich mich in diese Geschichte aus dem Matthäusevangelium vertiefe, umso mehr wächst sie mir ans Herz. Sie ist ganz aus dem Leben gegriffen und - wie im wirklichen Leben - kommt dort Heil und Unheil ganz eng zusammen. Aber am Ende der Geschichte trägt das Heil den Sieg davon.
Dabei sind auch wir in diese Geschichte des Heils mit hinein verwoben. Wir brauchen es nur wie Josef zu machen - und auf unseren Engel zu hören, wenn er zu uns spricht, in unseren Nächten. Und auf die Liebe zu setzen, so wie Josef, der sich dazu durchrang, auf alles zu pfeifen, was man damals so tat und statt dessen bei Maria blieb. So einfach kann es sein. Denn wenn wir lieben, finden wir zu uns selbst, so dass wir beheimatet sind in dieser Welt - und wir finden zu Gott, der uns diese Heimat schenkt. Dafür steht dieses Kind in der Krippe. Damals. Heute. Und bis in alle Ewigkeit. Amen.
Pfr. Paul Wassmer (I. Weihnachtstag, Di. 25.12.2019, Maulburg)
